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DIE ZEITSCHRIFT
FÜR ORGONOMIE

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WILHELM REICH

 



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Charles Konia
Vittorio Nicola

DIE BEDEUTUNG DES OKULAREN BLOCKS BEI SCHIZOPHRENIE

Charles Konia, M.D.

The Journal of Orgonomy, vol. 8/1, 1974
The American College of Orgonomy

 

Zwischen 1940 und 1948 formulierte Reich seine Grundideen hinsichtlich des Problems der Schizophrenie (1). Unter seinen vielen entscheidenden Erkenntnissen betrachtete er eine Störung des Gehirns mit seinen okularen Erweiterungen als von erstrangiger Bedeutung in der Pathogenese der Krankheit. Er schrieb: "Ist es möglich, daß der schizophrene Anfall bzw. Prozeß wie andere Krankheitssymptome, so etwa Anorexie, Kopfschmerz oder Herzangst, lokal verankert ist? Vielleicht an der Basis des Gehirns, dort wo der Sehnerv kreuzt? Wäre es sinnvoll gewesen anzunehmen, daß die Schizophrenie eine wirkliche 'Gehirnkrankheit' ist, verursacht durch irgendeine spezifische emotionelle Erschütterung und verbunden mit einer lokalen Kontraktion bestimmter Teile des Gehirns aufgrund extremer Angst?" Er sagt des weiteren: "Es wird damit verständlich, warum die Ursprünge der schizophrenen Spaltung so regelmäßig in der pränatalen(*) oder frühen postnatalen Entwicklungsphase gefunden werden: Jede schwere Störung während des Prozesses der organismischen Koordination hinterläßt in der Persönlichkeit eine schwache Stelle, an der später unter bestimmten emotionellen Bedingungen die schizophrene Diskoordination höchstwahrscheinlich einsetzt."

Drei zentrale Ideen treten hier hervor:

  1. Es liegt eine spezifische Störung irgendwo im Zentralen Nervensystem vor (wahrscheinlich an der Basis des Gehirns mit seinen okularen Erweiterungen).
  2. Der Zeitpunkt des Erwerbs dieser Störung liegt sehr früh im Leben des Organismus (der pränatalen oder postnatalen Periode).
  3. In der schizophrenen Erkrankung tritt eine Umkehrung der ursprünglichen Prozesse der Koordination und Integration auf, bei der komplexere biologische Funktionen in dem Maße zerfallen, in der ein Block in dieser bestimmten Phase der Entwicklung aufgetreten ist.
Der typische verschleierte Blick "weit weg" bzw. der mißtrauische Ausdruck in den Augen von gewissen Schizophrenen, ihre Tendenz nicht zu sehen bzw. zu fokussieren, die Steifheit der extraokularen Bewegungen und die schwere Spastik der okzipitalen Muskeln, sowie die Unfähigkeit in den Augen Gefühle zu zeigen und zu fühlen, scheinen die Gültigkeit der Annahme zu bestätigen, daß eine "Läsion" irgendwo im Gehirn die Grundlage für den schweren geistigen und emotionalen Zerfall ist, der diese Krankheit ausmacht.

In den vergangenen zehn Jahren gab es viele klinische sowie experimentelle Nachweise, die für diese Hypothesen sprechen. Obwohl er die Augen nicht ausdrücklich erwähnt, betrachtet Bender (2) Schizophrenie der Kindheit als eine "Enzephalopathie", die die normale Entwicklung des Zentralen Nervensystems stört und jeden Aspekt des Funktionierens des Kindes behindert. Auf Benders Arbeit basierend stellte Fish (3, 4, 5, 6) die Hypothese auf, daß es die schlechte Integration während der frühen neurologischen Entwicklung möglich machen sollte, Säuglinge zu identifizieren, die im späteren Leben schizophrene Symptome zeigen werden. Bei der Beobachtung von Säuglingen, die sich später als schizophren erwiesen, fand sie, daß während des ersten Monats des Lebens bestimmte Störungen in Aufmerksamkeit, Motorik, Muskeltonus und vegetativer Stabilität des Kindes auftraten. Sie spricht die wichtige Tatsache an, daß das visuelle Fixieren des Säuglings hinter seinen Zeige- und Greifbewegungen zurückbleibt. Es trat eine Desorganisation des neurologischen Mechanismus zur Regelung der Reihenfolge der posturalen und visuell-motorischen Entwicklung auf. Sie schloß daraus, daß die Störung dieser Entwicklung in der Kindheit eine Manifestation einer charakteristischen integrativen Störung bei Schizophrenie darstellt. Sie hatte den Eindruck, daß visuelle Exploration, ohne daß ihr die üblichen taktilen und propriozeptiven Impressionen zugeordnet sind, sehr wohl zu einer fehlerhaften funktionalen Integration in der späteren Entwicklung führen könnte. Held (7) hat experimentell gezeigt, wie wichtig dieses sensorische Feedback bei willentlichen Bewegungen für die Entwicklung der visuell-motorischen Integration ist. Dieses Material wurde von Holzman (8) überprüft, der ebenfalls zu dem Schluß kam, daß sensorisches Feedback eine zentrale Rolle bei den Wahrnehmungsverzerrungen der Schizophrenie spielt. Goldfarb (9) hat festgestellt, daß schizophrene Kinder bevorzugt die Distanzrezeptoren (Augen und Ohren) vernachlässigen zugunsten der Nahrezeptoren (Berührung, Geschmack und Geruch), die die Hauptgrundlage zur Orientierung in der Umwelt sind. Hakerem (10) stellte einen signifikanten Unterschied in der Größe der Pupillen und bei den Lichtreaktionen bei schizophrenen im Vergleich zu nicht-schizophrenen Menschen fest. Die jüngste in dieser Reihe von Entdeckungen stammt von Holzman (11), der nachgewiesen hat, daß "eine beträchtliche Anzahl von schizophrenen Patienten bei glatten Augenfolgebewegungen Muster aufweisen, die sich markant von den gemeinhin reibungslosen Augenfolgebewegungen unterscheiden, die man bei normalen und nicht-schizophrenen Patienten beobachtet". Er kam zu dem Schluß: "Diese Abweichungen beziehen sich wahrscheinlich nicht nur auf Faktoren von Motivation und Aufmerksamkeit, sondern zeigen auch eine okulomotorische Beteiligung, die eine kritische Bedeutung für Wahrnehmungsstörungen bei Schizophrenie haben könnten."

Abgesehen von wenigen isolierten Ausnahmen (9) trugen diese klinischen und experimentellen Befunde jedoch keine Früchte. Da es keine umfassende theoretische Grundlage für das Verständnis dieser Tatsachen gibt, ist die enorme Bedeutung dieser frühen Störungen in der Pathogenese der Schizophrenie völlig übersehen worden.

Die besondere Relevanz von Reichs Beobachtungen und Formulierungen rührt aus dem innigen Verhältnis zwischen klinischer Beobachtung, funktionellen Konstrukten, die aus ihnen abgeleitet sind, und ihren therapeutischen Implikationen. Theorie und Praxis sind untrennbar miteinander verbunden. Eine Hypothese, in diesem Fall die Annahme, daß biophysische Störungen, die sehr früh in der individuellen Entwicklung auftreten, von primärer Bedeutung beim schizophrenen Prozeß sind, wird nur beibehalten, wenn sie durch Beobachtung solide abgesichert ist und in der klinischen Anwendung und in der Entwicklung der Therapietechnik Früchte trägt. Die Orgontherapie der Schizophrenie, die von Reichs grundlegenden Beobachtungen abgeleitet ist, ist das effektivste Mittel zur Behandlung dieser Krankheit, gerade weil es das Mittel darstellt, durch das die Umkehrung der ursprünglichen pathogenen Faktoren herbeigeführt werden kann. Genauer gesagt kommt die Mobilisierung der blockierten Energie der Augen und des Gehirns (okulares Segment) einer dramatischen klinischen Remission der Anzeichen und Symptome der Schizophrenie gleich und ermöglicht es in vielen Fällen, ein sehr gutes klinisches Ergebnis zu erzielen.

 




Literatur

  1. Reich, W.: Charakteranalyse, Köln: KiWi, 1989, S. 520-654
  2. Bender, L. und Freeman, A.M.: "A Study of the First Three Years in the Maturation of Schizophrenic Children", Quarterly Journal of Child Behavior, 1:245-72, 1952
  3. Fish, B.: "The Detection of Schizophrenia in Infancy", Journal of Nervous and Mental Disorders, 125:1-24, 1957
  4. Fish, B.: "Longitudinal Observations of Biological Deviations in a Schizophrenic Infant", American Journal of Psychiatry, 116:25-31, 1959
  5. Fish, B., Shapiro, P., Halpern, F. et al.: "The Prediction of Schizophrenia in Infancy: III, A Ten Year Follow-up Report of Neurological and Psychological Development", American Journal of Psychiatry, 121:768-75, 1965
  6. Fish, B.: "Involvement of the Central Nervous System in Infants with Schizophrenia", Archives of Neurology, 2:115-21, 1960
  7. Held, R. und Hein, A.: "Movement-Produced Stimulation in the Development of Visually-Guided Behavior", Journal of Comparative Physiology and Psychology, 56:872-76, 1963
  8. Holzman, P.S.: "Perceptual Aspects of Psychopathology" in Neurobiological Aspects of Psychopathology von J. Zubin und C. Shagass, Hrsg., New York: Grune & Stratton, Inc., 1969
  9. Goldfarb, W.: Childhood Schizophrenia. Boston, Harvard University Press, 1961
  10. Hakerem, G.: in Schizophrenia: Current Concepts and Research von D. V. Silva Sanwar, Hrsg., Hicksville, N.Y.: P.J.D. Publications, 1968
  11. Holzman, P.S.: "Eye-tracking Patterns in Schizophrenia", Science, 181:179-81, 1973

 


Fußnoten

(*) Aufgrund einer abgestorbenen Gebärmutter.