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DIE ZEITSCHRIFT
FÜR ORGONOMIE

Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens.
Sie sollten es auch beherrschen.

WILHELM REICH

 



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Charles Konia
Vittorio Nicola

LAIENTHERAPEUTEN

Elsworth F. Baker, M.D.

The Journal of Orgonomy, vol. 11/1, 1977
The American College of Orgonomy

 

Freud war ursprünglich davon ausgegangen, daß alle Psychoanalytiker Ärzte sein sollten, aber schließlich, in erster Linie um seiner Tochter Anna behilflich zu sein, stimmte er zu, Laien Psychoanalytiker werden zu lassen. Das öffnete den Weg und unter den bekannteren Laienanalytikern finden wir Theodore Reik und Erich Fromm. Andere Schulen der Analyse wurden von Laien wie Rollo May und Erik Erikson ins Leben gerufen. Die William Allison White School ist weitgehend auf Laien ausgerichtet. Die meisten der seriösen Schulen beschränken die Therapeutenausbildung auf Psychologen, die einen Doktortitel tragen, doch gibt es heute zahlreiche selbsternannte Analytiker und Therapeuten, die keinen relevanten Hintergrund und keine Ausbildung haben. Es gibt auch homosexuelle Analytiker, die Homosexuelle behandeln. Wilhelm Reich versuchte es mit Laientherapeuten in der Orgonomie, mußte diese Idee aber aufgeben und darauf bestehen, daß jeder einen medizinischen Doktortitel trägt, bevor er ausgebildet wird. (1) Die Laientherapeuten hatten einfach kein Gespür für ihre Grenzen. Die einzige Ausnahme war Ola Raknes, ein ungewöhnlicher Mann, der immer eng mit einem Arzt zusammenarbeitete.

Ich bin gegen Laientherapeuten, insbesondere jene, die körperorientierte Techniken ausüben. Dies ist weder nur ein persönliches Vorurteil, noch geht es darum Wettbewerb auszuschalten. Ein Laientherapeut kann einfach nicht den nötigen Respekt vor dem Körper haben, den jemand erwirbt, der nach Jahren des Studiums der Medizin mit Anatomie, Physiologie, Pathologie, den verschiedenen Krankheiten, körperlichen und emotionalen, vollständig vertraut ist. Psychologen haben einige Kenntnisse in der Psychiatrie, aber es fehlt ihnen der notwendige medizinische Hintergrund, den ein Arzt erworben hat. Das ist schon schlimm genug, aber heute haben wir Leute ganz ohne Training und Grundwissen, die Verantwortung für Patienten mit emotionalen Problemen übernehmen. Scheinbar glaubt jeder, daß er diese Zustände behandeln kann und daß dies in sich selbst rechtfertigt augenblicklich zu einem Fachmann zu werden, der seine hohen Einnahmen verdient. Viele hängen sich den Mantel eines Arztes über und der ahnungslose Patient findet sich in völlig inkompetenten Händen. Dahinter steckt eine völlige Mißachtung menschlichen Elends. Es ist ein Wunder, daß nicht häufiger Katastrophen auftreten.

Drei der gröbsten Therapien wurden von Nichtmedizinern, alles Ph.D.s, entwickelt: Primärtherapie, rage-reduction therapy ["Wutablaßtherapie", Festhaltetherapie] und Rolfing. Man kann das Schadenspotential nicht überschätzen, das solchen Therapien innewohnt, und Interessanterweise werden alle weitgehend von Laientherapeuten praktiziert. Ich kenne eine Frau, die während einer Sitzung von rage reduction an einem Schock starb. Ich habe von Selbstmorden infolge von Primärtherapie gehört und ich berichte hier von einer Psychose, die sich aus der Fehlbehandlung durch einen Laientherapeuten im Rahmen einer Primärtherapie entwickelt hat. Jede Form von Therapie sollte nur von einem vollausgebildeten und qualifizierten Psychiater praktiziert werden, insbesondere körperorientierte Techniken.

Um durch das American Board of Medical Orgonomy qualifiziert zu werden, muß ein Orgonom ein M.D. (oder D.O.) sein, muß sein Medizinstudium an der medizinischen Fakultät einer anerkannten Universität absolvierte haben, ein einjähriges Praktikum und eine dreijährige Ausbildung zum Facharzt absolviert haben, in der Regel in Psychiatrie oder innerer Medizin, sowie das entsprechende Diplom eines amerikanischen Board haben. Er muß sich auch erfolgreich einer orgonomischen Therapie unterzogen haben und mindestens eine dreijährige Ausbildung in medizinischer Orgonomie vorweisen können, die sich aus didaktischer, klinischer und Laborarbeit zusammensetzt, und er hat eine strenge Prüfung vor dem American Board of Medical Orgonomy zu bestehen. Von daher wird es niemals einen homosexuellen medizinischen Orgonomen geben können, da Homosexualität ein neurotisches Problem ist, das geheilt werden muß, bevor er zur Ausbildung zugelassen werden könnte. Ein medizinischer Orgonom muß zumindest einen gewissen Grad an Genitalität erreicht haben.

Selbst bei diesen Qualifikationen ist die Therapie schwierig und ein geschulter Therapeut kann immer noch Fehler begehen. Es gibt leider viele unausgebildete Laien und Chiropraktiker, die von sich behaupten, diese Arbeit zu tun. Die meisten nennen sich selbst Reichianer, während sich die Qualifizierten als medizinische Orgonomen bezeichnen.

Es ist mir besonders wichtig, daß ich und meine Schüler medizinische Notfälle, körperliche und emotionale, erkennen und daß wir organische Erkrankung nicht übersehen, die der ungeübte Therapeut nichtsahnend als emotionales Symptom behandelt. Beispielsweise kam eine meiner Patientinnen zu mir und beklagte, daß, wenn sie im hellen Sonnenlicht ging, sie ihr Gleichgewicht verliere, ihr Blickfeld verschwimme und ihr ein wenig übel werde. Sie mußte das Reiten aufgeben, weil sie sich so unsicher fühlte. Sogar helle Lichter erzeugten bei ihr die gleichen Symptome. Bei schwachem Licht oder Dunkelheit verschwanden ihre Symptome. Ihr Hämatologe, der ein Blutbild erstellte, schlug als mögliche Diagnose eine Mittelohrerkrankung vor. Wäre ich ein Laientherapeut gewesen, der auf körperliche Erkrankungen achtet, hätte ich sie zu einem HNO-Spezialisten geschickt, der an den Ohren nichts gefunden hätte. Als Arzt hatte ich bereits eine Mittelohrerkrankung ausgeschlossen, weil ihre Symptome im Dämmerlicht oder bei Dunkelheit verschwanden. Ich vermutete daher, es gäbe ein Problem mit ihren Augen oder dem Augenhintergrund, so daß ich sie zu einem Augenarzt schickte. Er fand nichts und sagte ihr, daß ihre Symptome emotionaler Natur seien. In diesem Fall würde ein Laientherapeut sicherlich nicht weiter nachhaken. Er wäre damit zufrieden, daß er sie zu zwei Ärzten geschickt habe und keiner eine körperliche Erkrankung gefunden hatte. Ihre Symptome beeindruckten mich jedoch als physisch und ich war nicht beruhigt. Ich sagte ihr, daß ich sie zu einem anderen Augenarzt und einem Neurologen schicken wolle, bevor ich davon überzeugt sei, ihre Symptome seien emotionalen Ursprungs. Sie ging zu einem zweiten Augenarzt, der sehr gründlich war. Er war drauf und dran zu sagen, daß er nichts finden könne, als er plötzlich ausrief: "Ich habe es gefunden! Sie haben kleine Blasen auf Ihrer Hornhaut, die auf die Lichtstrahlen wie Lupen wirken." Er glaubte, die Blasen seien allergischen Ursprungs, aber als Notbehelf verschrieb er ein kortisonhaltiges Medikament für die Augen und erklärte ihr sehr sorgfältig, daß sie seine Anweisungen genau befolgen solle. Ihre Symptome verschwanden.

Eine zweite Patientin, die unter wiederkehrenden Rückenschmerzen litt, war es gewohnt zu ihrem Chiropraktiker zu gehen, wenn immer sie Probleme hatte. Eines Tages erzählte sie mir, daß sie ihn wegen Schmerzen konsultieren wolle, die auf der Innenseite beider Oberschenkel nach unten zogen. Er richtete dazu ihre Wirbelsäule aus, aber ihre Symptome besserten sich nicht. Ich bat sie, mir zu zeigen, wo genau sie den Schmerz fühle. Sie ging den Verlauf des Nervus obturatorius an den Innenseiten der beiden Oberschenkel nach. Der Nervus obturatorius durchläuft die hintere Seite des Beckens auf dem Weg in den Oberschenkel.

Wäre ich ein Laientherapeut, hätte mich das beruhigt, da sie bereits wegen ihrer Schmerzen von jemandem behandelt wurde, der mehr über Krankheiten weiß als ich. Als Arzt sah ich sehr deutlich, daß man die Wirbelsäule ausrichten könne, wie man wolle, und es doch keine Auswirkungen auf ihre Symptome hätte. Ich schloß, daß sie vermutlich eine Geschwulst im Becken (eine Ovarialzyste oder ein Fibroid) hatte, die auf den Nervus obturatorius drückt, oder, noch schlimmer, einen Tumor der Wirbelsäule. Ich legte ihr nahe, zu einem Neurologen und Gynäkologen zu gehen. Ich beschloß, daß es besser für sie wäre, den Neurologen zuerst zu sehen, um eine neurologische Erkrankung auszuschließen, und der Neurologe sie dann zu einem Gynäkologen überweisen würde. Sie ging zum Neurologen, der nichts fand, und sie, wie ich vorausgesagt hatte, zu einem Gynäkologen überwies, der eine große Ovarialzyste entdeckte, die er operativ entfernte. Wenn sie zuerst zum Gynäkologen gegangen wäre, hätte er die Zyste gefunden, hätte sie entfernt und neurologische Beschwerden wären nicht ausgeschlossen worden.

Eine dritte Patientin, die in der Therapie das Beckensegment erreicht hatte, beklagte sich über Schmerzen im Becken rechts von der Mittellinie. Sie hatte zuvor gynäkologische Beschwerden gehabt und war nun ganz zuversichtlich, weil sie dachte, daß das Becken auf die Therapie ansprach und das ganze emotionaler Natur sei. Sie litt nicht unter Übelkeit oder Erbrechen. Ich untersuchte den Bauch. Die Stelle oberhalb des Blinddarms war weich und schmerzlos, aber über dem rechten Eierstock gab es erhebliche Schmerzen. Eine einfache Zyste konnte jedoch keine Schmerzen verursachen, so kam ich zu dem Schluß, daß sie eine Zystentorsion hatte, was das ganze zu einem chirurgischen Notfall machte. Es fiel mir schwer, sie davon zu überzeugen, daß sie sofort einen Gynäkologen konsultieren müsse, aber schließlich willigte sie ein. Er schickte sie sofort ins Krankenhaus und operierte eine verdrehte rechte Ovarialzyste.

Zur weiteren Illustration kann der Fall eines jungen Mädchens dienen, offensichtlich eine Hysterikerin, die, während ich die Anamnese aufnahm, plötzlich in Tränen ausbrach. Sie sagte, daß sie in letzter Zeit viel geweint habe und klagte über Schwäche in den Knien. Im Medizinstudium hatten sie uns beigebracht, daß, wenn ein Patient ohne ersichtlichen Grund in Tränen ausbricht, man ihn auf Multiple Sklerose untersuchen sollte. Ich erinnerte mich an einen Patienten, den ich präoperativ untersucht hatte, als ich im Praktikum war, und der plötzlich in Tränen ausgebrochen war. Als ich ihn untersuchte, stellte ich fest, daß er eine ausgewachsene Multiple Sklerose hatte. Ich legte das Mädchen also auf die Couch und untersuchte sie. Sie hatte hyperaktive tiefe Sehnenreflexe und leichten Nystagmus. Die Sprache war nicht verwaschen, sie klagte über keine Augensymptome und die abdominalen Reflexe waren vorhanden. Allerdings hatte ich den Eindruck, es sei ein hinreichender Grund für eine vollständige neurologische Untersuchung gegeben, bevor ich ihre Therapie in Angriff nehmen würde. In diesem Fall bescheinigte der Neurologe ihr glücklicherweise eine gute Gesundheit. Ich konnte sie dann mit mehr Zuversicht hinsichtlich ihrer emotionalen Symptome behandeln. Die nächste mit ihren Symptomen, wird jedoch wahrscheinlich Multiple Sklerose haben.

Ich behandelte eine 26-jährige, alleinstehende, weiße junge Frau,
(2) die ihren Master gemacht hatte und in der Schule Englisch unterrichtete, während sie an ihrer Promotion an der örtlichen Universität arbeitete. Sie kam zur Therapie, weil sie deprimiert und einsam war und unbefriedigende Beziehungen mit jungen Männern hatte. Sie hatte keine angenehmen sexuellen Erlebnisse gehabt und aß zu viel wegen Angst. Ihre Beziehung zu beiden Elternteilen war schlecht.

Meine Diagnose war Schizophrenie. Sie zeigte keine Anzeichen für eine psychotische Dekompensation und schien einigermaßen stabil. Ich sah sie einmal pro Woche. Sie schien in der Therapie gut voranzukommen und setzte ihre Lehrertätigkeit und Studium zufriedenstellend fort.

Plötzlich – ohne Vorwarnung – erschien sie eines Tages zu ihrer üblichen Sitzung in einem offensichtlich psychotischen Zustand. Sie war verwirrt, sprach wie ein Kind, lachte und weinte abwechselnd und rief nach ihrem Vater. Ich war geschockt und konnte die plötzliche Wende zum Schlechteren nicht verstehen. Sie konnte (oder wollte) mir auch keinen Grund nennen. Ich mobilisierte ihre Energie, vor allem in den Augen, und als sie ging, fühlte sie sich rational und in Kontakt. Sie rief mich jedoch in der nächsten Nacht wieder in einem Zustand der Verwirrung an, schien aber zu reagieren, als ich mit ihr am Telefon sprach. Ich sah sie für eine Notsitzung zwei Tage später und begann dann sie dreimal wöchentlich zu sehen, aber es ging ihr fortwährend schlechter, trotz all meiner Bemühungen. Dann, an einem Sonntagabend, erhielt ich einen Anruf von einen Psychiater in New York, der sagte, er sei gerufen worden, um sie zu sehen; sie war am Bowery herumgelaufen, hatte sich die Kleidung vom Körper gerissen und versuchte zum Flughafen zu kommen, um nach Los Angeles zu Dr. Arthur Janov zu fliegen, der Psychologe, der die Primärtherapie entwickelt hatte. Der Psychiater sagte, daß sie bei einem Vortrag von Janov gewesen sei. Ich empfahl einen Krankenhausaufenthalt und der Psychiater pflichtete mir bei. Am nächsten Tag erhielt ich einen Anruf von einer jungen Frau, die sich nach dem Aufenthaltsort meiner Patientin erkundigte, sie sei bei ihr in Primärtherapie. Sie war keine Ärztin. Ich fragte sie, wie lange sie meine Patientin gesehen hatte und sie antwortete: "drei Wochen". Sie fragte mich, ob ich von der Primärtherapie gewußt hätte. Ich verneinte das, worauf sie sagte: "Oh, ich wußte, daß Sie sie sehen." Die drei Wochen fielen genau mit der Dekompensation meiner Patientin zusammen.

So klärte sich auf, was geschehen war. Die Primärtherapeutin hatte sie täglich gesehen, einschließlich an dem Sonntagmorgen, den Tag, an dem sie aufgegriffen worden war. Die "primals" hatten sie buchstäblich auseinandergerissen.

Hier haben wir eine dramatische Situation. Eine Laiin überschreitet ihre Kompetenz bei der Behandlung einer Patientin, ohne zu verstehen, was passieren könnte und ohne die Ethik oder Höflichkeit mich zu konsultieren, bevor oder nachdem sie begonnen hatte sie zu behandeln. Niemand käme auf die Idee als Chirurg tätig zu werden, es sei denn er wäre Arzt, der in diesem Spezialgebiet ausgebildet worden ist, aber fast jeder fühlt sich in der Lage emotionale Probleme anderer zu behandeln. Das Primal Institute sagt, daß man kein Arzt sein muß, um Primärtherapie auszuüben. Janov selbst ist keiner. Man braucht kein Arzt zu sein, wenn man sich nicht darum schert, was mit dem Patienten geschieht. Dies ist eine gefährliche Art der Therapie, die leicht zu einer Katastrophe führen kann, sofern sie nicht von einem erfahrenen Psychiater durchgeführt wird.

Thomas Kiernan(3) beschreibt den Fall eines jungen verheirateten Paares, das anfing Eheprobleme zu haben. Insbesondere die Frau war wegen des Verhaltens ihres Mann unzufrieden, da er mürrisch und verschlossen geworden war. Ein Freund schlug Gruppentherapie vor. Sie meldeten sich an, aber das Verhalten des Ehemanns wurde schlimmer, sogar gewalttätig, so daß er sich nicht auf die Gruppe einstellen konnte. Der Leiter des Instituts, ein klinischer Psychologe, beschloß, ihn als Privatpatient zu sehen. Der Patient zeigte einige Verbesserungen, klagte aber über starke Kopfschmerzen. Eines Tages hatte er bei der Arbeit einen Krampfanfall und wurde bewußtlos in ein Krankenhaus gebracht, wo er wegen eines großen Gehirntumors operiert wurde. Der Tumor war nicht maligne, so daß die Operation erfolgreich verlief, aber durch den Druck war die Funktionsweise des Gehirns bereits zu einem großen Teil zerstört und im Wesentlichen blieb er wie ein drei Jahre altes Kind zurück. Zuviel Zeit war vergeudet worden, bevor eine Diagnose gestellt wurde, so daß eine Heilung nicht erreicht werden konnte.

Die Frau verklagte das Institut, aber der Richter entschied, daß eine Entschädigung nicht statthaft sei, da man von Laientherapeuten nicht erwarten könne körperliche Krankheiten zu diagnostizieren. Der Richter war jedoch äußerst kritisch, was den moralischen Aspekt der Angelegenheit betraf.

Emotionale Probleme erfolgreich zu behandeln, ist selbst für den Erfahrensten schwierig. Körperliche oder emotionale Notfälle zu erkennen ist nie einfach. Dies ist keine Aufgabe für Schlechtausgebildete oder Unerfahrene, nicht einmal für die besten Laientherapeuten. Emotionale Störungen gehören in den Bereich der Krankheit und Krankheiten sollten von einem voll ausgebildeten Arzt behandelt werden.

Glücklicherweise gehören Notfälle nicht zum Alltagsgeschäft, weshalb Laientherapeuten so oft davonkommen. Es bleibt jedoch immer die sehr reale Gefahr einer Katastrophe: organische Krankheit, Selbstmord oder Psychose.

 


Fußnoten

(1) Reich machte seine Haltung unmißverständlich in einem Brief deutlich, den er Paul Ritter, ein englischer Architekt, am 9. Oktober 1950 schrieb. Er solle niemanden in therapeutische Behandlung nehmen, egal wie sehr er dem betreffenden auch helfen wolle. Über die Orgontherapie sagte er: "Es ist nicht mehr und nicht weniger als bio-psychiatrische Chirurgie, die nur von gut qualifizierten und gut ausgebildeten Händen und Strukturen sicher durchgeführt werden kann. Sie ist von daher ausschließlich auf Ärzte beschränkt."

(2) Der Bericht findet sich im Journal of Orgonomy, Vol. 6, No. 1, S. 130.

(3) Shrinks, Etc., S. 25, veröffentlicht von Dell Publications, Laurel-Edition.