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DIE ZEITSCHRIFT
FÜR ORGONOMIE

Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens.
Sie sollten es auch beherrschen.

WILHELM REICH

 



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Charles Konia
Vittorio Nicola

SCHIZOPHRENIE: DYNAMIK UND BEHANDLUNG

Elsworth F. Baker, M.D.

The Journal of Orgonomy, vol. 7/1, 1973
The American College of Orgonomy

 

Die Schizophrenie ist für die Psychiatrie ein Rätsel, nachdem sie 1898 von Kraepelin erstmals beschrieben worden ist. Ihr Ursprung wurde unterschiedlichen Ursachen zugeschrieben, jeweils durch eine beachtliche Anhängerschaft unterstützt. So haben wir Kretschmer und den leptosomen Körpertyp; Freud, Bleuler, Jung und die psychologische Ursache; Sullivan und die Umwelt bzw. zwischenmenschliche Beziehungen; Kallmann und die Genetik; Henry Cotton und die Theorie der Fokalinfektion; Heath und die Stoffwechselstörung; und Kety, der behauptete, daß die Ursache eine Störung der Transmethylierung sei. Andere haben die endokrinen Drüsen, das Blut und das Gehirn untersucht. Niemand hat diesen Zustand vollständig erklärt.

Nun werde ich eine weitere Theorie darlegen – das energetische Konzept. Bei den anderen Theorien kann, glaube ich, gezeigt werden, daß sie sich mit Zusatzfaktoren wie Genetik und Umwelt beschäftigen oder mit dem Ergebnis des Prozesses, z.B. leptosomer Körperbau und Stoffwechselstörungen. Die Theorie der Fokalinfektion und Henry Cotton (längst vergessen) hat hier jenseits der Tatsache keinen Platz, daß eine Infektion eine Psychose in einem schizophrenen Charakter verursachen kann. Sie hat nichts mit der Ursache zu tun.

Nach einem Vierteljahrhundert der umfangreichen Erforschung emotionaler Probleme entdeckte Wilhelm Reich eine bestimmte Energie im Körper, die er zunächst als bioelektrische Energie bezeichnete, da er glaubte, sie sei elektrischer Natur. Weitere Untersuchungen zeigten, daß sie viele Eigenschaften besaß, die man bei der Elektrizität nicht findet, so daß er sie in (organismische) Orgon-Energie umbenannte. Diese Energie wird im Körper ständig durch die Einnahme von Nahrung, Flüssigkeit und Luft generiert und direkt durch die Haut absorbiert. Sie wird durch Aktivität, Ausscheidung und Wachstum entladen und durch sexuelle Aktivität reguliert. Nachdem sie ein bestimmtes Niveau erreicht hat, wird die überschüssige Energie als sexuelle Erregung empfunden.

So war für Reich Freuds libidinöse Energie eine Realität. Wenn diese Energie frei durch den Körper fließt ohne Hindernisse oder Blockaden, funktioniert der Mensch auf eine gesunde Weise. Auch ist er sich dieser Strömung bewußt in Form von angenehmen Empfindungen des Lebendigseins, "Strömungen" und einer dreidimensionalen Wahrnehmung des Körpers. Allerdings ist in unserer Gesellschaft niemandem erlaubt, ohne jede Menge von Verboten aufzuwachsen, so daß jeder von uns gezwungen ist, seine Gefühle bzw. seinen emotionalen Ausdruck zurückzuhalten. Dies erfolgt durch Anhalten der Atmung und Verkrampfung der Muskulatur in den verschiedenen Bereichen des Körpers und wird als Panzerung bezeichnet.

Der Körper kann in sieben muskuläre Segmente unterteilt werden: das Augen-, Mund-, Hals-, Brust-, Zwerchfell-, Bauch- und Beckensegment. Bei Panzerung sind die Muskeln chronisch kontrahiert durch eine chronische Sympathikotonie, die durch anhaltende Angst verursacht wird. Beispielsweise wenn die Mutter befiehlt: "Hör auf zu weinen", hält das Kind seinen Atem an, strafft die Muskeln seines Kiefers und seines Mundbodens und schluckt schwer, um die Trauer zu herunterzuschlucken. Dadurch verringert sich das Weinen zu einem Wimmern, bis es vollständig beendet ist. Schließlich, nach wiederholten Kommandos, wird das Kind nicht mehr fähig sein zu weinen. Und so weiter durch die gesamte Palette unserer Gefühle. Ich will nicht den Eindruck erwecken, daß Kinder nie diszipliniert werden sollten. Natürlich sollten sie und vor allem sollten sie lernen, nicht ihr eigenes Leben in Gefahr zu bringen oder das Leben anderer zu beeinträchtigen. Es sollte ihnen jedoch erlaubt werden, ihre eigenen natürlichen Bedürfnisse zu regeln. Das bezeichnete Reich als Selbststeuerung.

Panzerung ist das somatische Gegenstück der Verdrängung und eine chronische sympathische Kontraktion von bestimmten Muskelgruppen, um bestimmte Gefühle und Erinnerungen zurückzuhalten. Panzerung erfolgt in der Regel nicht nach einem einzelnen Befehl, sondern nach wiederholten oder beständigen Haltungen in der Umgebung. Da Panzerung emotionalen Ausdruck nicht zuläßt, gibt es keine ausreichende Entladung der überschüssigen Energie, die aufgestaut wird, bis sie in Form von Symptomen überläuft. Unsere Gefühle und Empfindungen sind einfach die Wahrnehmung der Bewegung der Energie im Körper. Entsprechend wird Lust empfunden, wenn Energie sich nach außen zur Haut und zum Genital hin bewegt. Angst wird empfunden, wenn sich Energie nach innen zu den inneren Organen bewegt, und Wut, wenn die Energie in die Muskulatur fließt. Wenn dieser Fluß durch Muskelkontraktion verhindert wird, nehmen wir nur ein Taubheitsgefühl bzw. Leblosigkeit in diesem bestimmten Teil wahr. Dies kann durch einen Oszillographen überprüft werden, der den Energiefluß registriert. Wo Leblosigkeit zu spüren ist, gibt der Oszillograph eine negative Antwort.(1)

Freud postulierte drei Entwicklungsstadien: oral, anal und genital. Besonders in diesen Phasen wird das Kind gezwungen, seine Impulse und Gefühle zu kontrollieren. Wir wissen von der Psychoanalyse her, daß die Entwicklung während dieser Phasen den Charakter bestimmt. Somit wird Unterdrückung während der oralen Phase den Depressiven erzeugen; während der analen Phase den Zwanghaften, den Passive-Femininen und den Masochisten. Die genitale Phase gliedert sich in zwei: die frühe genitale oder phallische, die den phallisch-narzißtischen Charakter erzeugt, und die eigentliche genitale, die die Hysterikerin ergibt. Wenn die Entwicklung durch alle Phasen ohne Blockierung in einer Phase erfolgt, haben wir einen gesunden bzw. genitalen Charakter.

Reichs Arbeit mit Schizophrenie und Epilepsie führte zur Überlegung, die okulare Zone als eine vierte Entwicklungsphase in Erwägung zu ziehen. Das schien nur folgerichtig zu sein. Ich habe deshalb die okulare Phase hinzugefügt. Dies ist die erste Entwicklungsphase und die erste die traumatisiert wird durch reizende Medikation, die bei der Geburt in die Augen getröpfelt wird, oder, was wichtiger ist, durch feindliche, ängstliche oder tote Ausdrücke in der Umgebung des Kindes, von der es sich zurückzieht. Dieser Rückzug setzt das Muster für die künftige Entwicklung – sich von der Umgebung zurückzuziehen, statt zu ihr hinzustreben. Folglich wächst der Schizophrene in einer kalten, feindseligen und ablehnenden Umgebung auf. Rene Spitz hat gezeigt, daß eine gute mütterliche Betreuung für das Kind notwendig ist, um in der Reifung die Lücke zwischen dem Kontakt und den Fernrezeptoren zu schließen. Diese gute mütterliche Betreuung fehlt dem Schizophrenen. Damit entwickeln sich die Funktionen des Auges als Ganzes nie vollständig und binokulares Sehvermögen wird nie erreicht. Seine Augen haben einen leeren Blick, als ob er in den leeren Raum starrt mit einem leicht verschleierten Ausdruck.

Das verhindert nicht die Entwicklung durch die anderen Phasen hindurch, die den Typ von Schizophrenie bestimmen. Wenn die Entwicklung in der oralen Phase übermäßig blockiert wird, führt dies zu einer einfachen Schizophrenie; in der analen Phase zu einer katatonischen, in der phallischen Phase zu einer paranoiden und in der genitalen Phase zu eine hebephrenen Schizophrenie. Alle haben natürlich den charakteristischen Augenblock des Schizophrenen. Reich hatte den Eindruck, daß dieser spezifische Block innerhalb der ersten zehn Tage des Lebens auftritt, bevor eine spürbare Entwicklung stattfindet. Es ist also eine sehr ernste Störung. Dies bedeutet nicht, daß andere Charaktertypen in diesem Segment nicht blockiert wären. Tatsächlich haben die meisten in der allgemeinen Bevölkerung eine gewisse Blockierung in ihren Augen, aber sie tritt nicht so früh auf, vielleicht erst bei der Pubertät und sie ist weniger schwerwiegend.

Es scheint sehr wahrscheinlich zu sein, daß der Schizophrene mit einer Prädisposition für diesen Zustand geboren wird, wie es vermutlich bei allen Charaktertypen für ihren speziellen Typ so ist. Es ist nicht klar, ob dies genetisch bedingt oder auf Entwicklungsstörungen in der Gebärmutter zurückzuführen ist. Ich denke, daß beide Faktoren eine Rolle spielen können. Der genetische Einfluß scheint in der Schizophrenie von einem rezessiven Mendelfaktor abzuhängen.

Sicherlich ist die Umgebung während der Entwicklung in der Gebärmutter sehr wichtig. Dazu gehören der emotionale Zustand der Mutter, ihre körperliche Gesundheit und der Grad der Kontraktion im Beckensegment und im Gefäßsystem. All dies bestimmt die Menge an Energie, die dem sich entwickelnden Fötus zur Verfügung steht, seine Bewegungsfreiheit und eingeschränkte bzw. uneingeschränkte Entwicklung. Es ist sicher, daß man ein neugeborenes Baby betrachten und ziemlich genau sagen kann, wie es als Erwachsener sein wird und wie gut es den harten Stößen des Lebens widerstehen kann.

Der Schizophrene hat sich in einem Uterus entwickelt, der wenig Energie und wenig Bewegungsfreiheit zur Verfügung gestellt hat. So zieht er sich leicht zurück, um einer unangenehmen Umgebung zu entgehen und wächst schüchtern und zurückhaltend in einer feindlichen, kalten und ablehnenden Welt heran. Andere Kinder versuchen beständig gegen ihre Umwelt zu kämpfen oder stumpfen sich selbst durch schwere Panzerung ab, wie der Zwanghafte, um wenig von ihr betroffen zu sein. Nicht so der Schizophrene. Er zieht sich in sich selbst zurück und erscheint nach außen hin unnahbar, gleichgültig und unbeteiligt, aber er bewahrt seine scharfsichtige Sensibilität und lebt in einem ständigen Zustand schwerer Angst. Er panzert sich nicht wie der Neurotiker, sondern versucht seine Angst und Empfindungen durch minimale Atmung zu kontrollieren. Er scheint nicht zu atmen, und häufig kann er selbst nicht sagen, ob er ein- oder ausatmet. Dies hält alle Aktivitäten gering. Seine Energie ist niedrig. Dies scheint offenbar von einem schweren Halsblock, durch den die Luft kaum passieren kann, bewerkstelligt zu werden. Er hat sicherlich einen schweren Halsblock, aber die wichtige Panzerung findet sich in der Basis des Gehirns. Reich fühlte, daß sie sich in erster Linie in der Region findet, wo sich die Sehnerven kreuzen. Sie betrifft anscheinend alle vegetativen Zentren. Alle Aktivitäten dieser Zentren werden somit deutlich reduziert. Dies ist ein Ergebnis der Kontraktion und des Rückzugs in den Augen. Die Kontraktion der vegetativen Zentren kann nun alles autonome Funktionieren reduzieren, einschließlich der Atmung, und die Entwicklung der verschiedenen Organe des Körpers behindern, vor allem des Kreislaufsystems und der Genitalien und auch des Körpers selbst, was den leptosomen Typ erzeugt.

In der Regel gibt es keine Notwendigkeit für muskuläre Panzerung, wie man sie bei Neurotikern findet, weil die Energie niedrig ist und alle Aktivitäten auf ein Minimum gehalten werden. So hat der Schizophrene im Wesentlichen keine Abwehr gegen eine Erhöhung der Ladung, die er nicht ertragen kann. Er geht in den Augen weg und wird psychotisch. Dies tritt vor allem während der Adoleszenz auf, wenn die Erregung am höchsten ist. Das erklärt, warum Schizophrenie vor allem eine Krankheit der Jugend und des jungen Erwachsenenalters ist. Die Psychose wird durch den Augenblock produziert, da er eine Spaltung zwischen der Empfindung und der Wahrnehmung dieses Gefühls verursacht. Es werden also Empfindungen, die in der Schizophrenie stark bleiben, nicht richtig wahrgenommen und können als "Kräfte", "elektrische Ströme" oder "Maschinen", die durch "böse Menschen" bzw. Einflüsse auf sie einwirken, interpretiert werden. Diese Spaltung, so scheint es, ist Ergebnis einer mangelnden Entwicklung des beidäugigen Sehens. Beim Schizophrenen haben wir in den Augen einen Rückzug und eine Kontraktion an der Basis des Gehirns. Schizophrene beklagen häufig, daß ihr Gehirn "tot" sei oder "faule" oder daß "ein Stein" in ihrem Kopf sei.

Bei Reich heißt es,
(2) daß Schizophrenie eine Mischung aus objektiven biophysischen Prozessen und der psychologischen Wahrnehmung dieser Prozesse und die Reaktion auf sie ist. Der Kern des Problems ist die Störung des einheitlichen energetischen Funktionierens und die subjektive Wahrnehmung dieser Störung. Das in die Ferne Schauen, die Trance, die Automatismen, Flexibilitas cerea, Katalepsie und die Verlangsamung der Reaktionen sind jeweils direkter Ausdruck der biophysischen Störung; andere Symptome wie Verwirrtheit, Verlust des Assoziationsvermögens, Verlust der Wortbedeutungen und Interessenverlust sind sekundäre Reaktionen auf diese Störung. Die spätere allgemeine Verschlechterung geht auf die generelle Schrumpfung des Organismus und Nichtnutzung zurück.

Es gibt noch ein weiteres Element, das nicht behandelt worden ist: die Projektion. Projektion ist im Wesentlichen der Prozeß des Rückzugs der Fähigkeit zur Wahrnehmung und hängt vom Verlust des binokularen Sehvermögens ab. Binokulares Sehen gibt uns eine angemessene Perspektive unserer Umwelt, sowie von uns selbst, die Selbstwahrnehmung. Bei Projektion ist die Selbstwahrnehmung stark gestört und das Ergebnis ist die Illusion, der sensorische Eindruck komme von außerhalb des Organismus. Die Funktion der Selbstwahrnehmung hängt vom Kontakt zwischen objektiver Erregung und dem subjektiven Gefühl der Erregung ab. Bewußtsein ist eine Funktion der Selbstwahrnehmung und umgekehrt. Wenn die Funktion der Selbstwahrnehmung zerfällt, verschlechtert sich auch die Funktion des Bewußtseins und mit ihr alle ihre Funktionen, z.B. Sprache, Orientierung und Vorstellungsverknüpfung.

Desorientierung und Verwirrung ist das erste, was auftritt, gefolgt von Störungen von Denken, Vorstellungsverknüpfung und koordinierter Rede. Bewußtsein hängt nicht so sehr von der Stärke oder Intensität der Selbstwahrnehmung ab, als von der mehr oder weniger vollständigen Integration der zahllosen Elemente der Selbstwahrnehmung zu einer einheitlichen Erfahrung des Selbst.

 

Behandlung

Das Prinzip der Therapie ist ganz einfach: man muß nur die chronische Kontraktion aufheben, die den freien Fluß der Energie im gesamten Organismus und damit die Wiederherstellung natürlichen Funktionierens behindert. In der Praxis kann das sehr schwierig und komplex sein. Es gibt im Wesentlichen drei Herangehensweisen, deren jeweilige Bedeutung vom individuellen Fall abhängt, obwohl alle drei notwendige Werkzeuge in jeder Therapie sind. 1. Erhöhung des inneren Drucks auf den Organismus durch den Aufbau seiner Energie mittels Atmung; 2. direktes Angehen der spastischen Muskeln, um die Kontraktion zu befreien; und 3. Aufrechterhaltung der Kooperation des Patienten durch offenlegen und überwinden seiner Widerstände gegen die Therapie und den Therapeuten. Das letztere ist äußerst wichtig, da der Patient in jeder Hinsicht versuchen wird, seine Unbeweglichkeit aufrechtzuerhalten und verzweifelt versuchen wird sich nicht bloßzustellen. Dahinter steht die intensive Furcht vor Ausdehnung und Bewegung. Angst ist die Grundlage für die Verdrängung und steht hinter aller Kontraktion. Wenn die Angst nicht wäre, könnte das Gefühl erst gar nicht zurückgehalten werden. Der Organismus des Patienten versucht stets Angst zu kontrollieren und seine verbotenen Gefühle zu unterdrücken. Die wichtigste Emotion, die zu entlocken ist, ist die Wut (Haß). Bevor diese nicht freigesetzt worden ist, kann der Patient nicht zulassen, daß die weicheren Gefühle wie Sehnsucht und Liebe auftauchen.

Obwohl es im Körper sieben muskuläre Segmente gibt, sind zwei Segmente von erstrangiger Bedeutung in der Schizophrenie, das Augen- und das Halssegment. Das okulare Segment befaßt sich mit jeglichem Kontakt über eine Distanz hinweg –Fernwahrnehmung. Diese hat der Schizophrene mangelhaft erlangt. Die Panzerung besteht aus einer Kontraktion und Immobilisierung des größten Teils aller Muskeln rund um das Auge, der Augenlider, der Stirn und den Tränendrüsen, wie auch der Tiefenmuskulatur an der Basis des Hinterhauptes, was auch das Gehirn selbst einschließt. Hier scheint die Kontraktion weitgehend in den vegetativen Zentren zu liegen. Diese Kontraktion verursacht die Muskelkontraktion und erhält sie aufrecht. Sie rührt von den ursprünglichen Hemmungen her. Die Panzerung äußert sich in einer immobilisierten Stirn (sie erscheint flach) und immobilisierten Augenlidern. Das Fleisch an der Seite der Nase ist glatt und wachsartig. Der Patient ist nicht in der Lage, seine Augen zu öffnen. Der Ausdruck ist leer oder als ob die Person in den Raum starrte. Je mehr Emotion durch das Sehen hochkommt, desto weniger kann der Betroffene deutlich sehen. Die Pupillen sind in der Regel geweitet, was auf tiefsitzende Angst hindeutet und man findet häufig Myopie. Angst oder Mißtrauen können offen zutage treten und der Schizophrene ist so freimütig und sagt dir, daß er dir nicht traut.

Der Schizophrene ist charakteristischerweise schüchtern und leicht zu ängstigen. Er muß vorsichtig behandelt werden. Bringe ihn dazu, seine Augen zu öffnen. Dies wird Panik auslösen durch die Bewegung von Energie und durch eine Flut von Empfindungen. Die Panik bringt die Atmung in Gang. Zu viel Empfindung wird ihn in seinen Augen weggehen und psychotisch werden lassen. Man fährt nicht fort, bevor der Patient nicht in Kontakt ist. Das Augensegment wird mobilisiert, indem man ihn seine Augen rollen und die Stirn bewegen oder mit seinen Augen ein sich bewegendes Licht folgen läßt. Es ist auch nützlich, den Krampf der Hinterkopfmuskulatur zu reduzieren. Er muß für Reize aus dem Augensegment desensibilisiert werden. Dies kann erfolgen, indem man ihn immer wieder in den Augen weggehen und sich selbst zurückbringen läßt. Während das okulare Segment mobilisiert wird, kommt es zur muskulären Panzerung in den unteren Segmenten, die wiederum aufgebrochen werden muß.

Das Halssegment erfordert ebenfalls unsere Aufmerksamkeit. Es ist stark kontrahiert und der Schizophrene spricht mit einer sehr leisen, weichen Stimme. Wut und Weinen werden buchstäblich runtergeschluckt, ohne daß sich der Patient dessen bewußt ist und muß herausgearbeitet werden. Die Kontraktion wird vermindert durch Auslösen des Würgereflexes und Reduzieren der Krämpfe des Sternocleidomastoideus und der Tiefenmuskulatur des Halses begleitet von Schreien und Brüllen. Man ist sich bewußt, daß der Hals sehr verletzlich ist und geht mit großer Vorsicht vor, da es hier viele wichtige Nerven und Gefäße gibt, sowie den Kehlkopf, der leicht verletzt werden kann.

Bei Schizophrenie schreitet man langsam und vorsichtig voran. Es ist stets leicht eine Psychose auszulösen, was manchmal nicht vermieden werden kann. Jedoch kann die Behandlung fortgesetzt werden, solange die Kooperation des Patienten sichergestellt werden kann.

 


Fußnoten

(1) W. Reich: Die bio-elektrische Untersuchung vom Sexualität und Angst, Frankfurt: Nexus Verlag, 1984.

(2) Siehe W. Reich: Charakteranalyse, Köln: KiWi, 1989, S. 565.